Künstler

Otto

Nemitz



ZH13, 2000, 35 x 35 x 35 cm, Acryl, Graphit auf Holz, Foto: Helmut Bauer, Ingolstadt

SR10, 2000, 40 x 40 x 7 cm, Acryl, Graphit auf Holz, Foto: Helmut Bauer, Ingolstadt

A8, 1964, 78 x 100 cm, Öl auf Leinwand, Foto: Helmut Bauer, Ingolstadt

Otto Nemitz (* 1935 in Berlin, † 2012 in Köln) reduzierte seine Palette bereits früh auf Schwarz, Weiß und Grautöne, um die Form selbst ins Zentrum seines Schaffens zu stellen.

In Zeichnungen und Malereien untersuchte er verschiedene Möglichkeiten, Struktur und räumliche Tiefe trotz der Zweidimensionalität der Medien zu transportieren. In dem Gemälde A8 aus den frühen 1960er Jahren setzt er noch vorzugsweise rechteckige Flächen in verschiedenen Grauabstufungen, sowie Schwarz und Weiß nebeneinander – teilweise sind sie auch partiell überlagert. In den 1970er Jahren gewannen die Arbeiten dann durch stellenweise Vertiefungen – den sogenannten harten Faltungen – immer mehr auch an realer Tiefe und Struktur. In der Arbeit Schattenraum 10 geht er noch einen Schritt weiter: Der partiell aufgebrochene Holzkörper hängt zwar noch an der Wand, erfährt aber durch seine Tiefe einen Raumbezug, der über ein Gemälde hinausgeht. Durch die Bewegung des Betrachters vor dem Werk entstehen immer neue Bezüge und Einblicke in den Hohlkörper. Dabei nehmen die im Hintergrund liegenden Schichten die Formensprache der vorderen Platte auf und variieren diese. Die Auseinandersetzung mit dem Raum führte den Künstler schlussendlich immer weiter in diesen hinein. Ab 1995 entstanden dann die ersten Zeithäuser. Hierin fand Otto Nemitz eine Ausdrucksform, die die konsequente Weiterentwicklung seiner Arbeiten der vergangenen Jahrzehnte auf einem Höhepunkt zeigt: Die nunmehr dreidimensionalen, frei im Raum auf Sockeln stehenden Skulpturen, so auch Zeithaus 13, scheinen die wahr gewordene räumliche Umsetzung seiner Zeichnungen, Gemälde, Echo- und Schattenbilder zu sein. Die Grenze der Gattungen Malerei und Skulptur wird aufgehoben: Material, Licht, Schatten und Raum bilden eine Einheit. 


Im Jahr 2015 wurde Otto Nemitz mit einer Auswahl an Arbeiten aus allen Schaffensperioden in die Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt aufgenommen.

 

Biografie

1935 in Berlin Charlottenburg geboren
1950er Lehre im grafischen Gewerbe, als Maler Autodidakt
seit 1965 freischaffend
1957 Studienaufenthalt in Italien, Landschaftsmalerei
1964 Übersiedlung nach Köln
1969 erste Werkgruppe mit konkreter Malerei
1964 Gründung des Nachwuchsforums „Kleine Galerie Köln“
1968 Rhein-Tiber-Preis der Stadt Rom
1968–1971 Studium der Kunstgeschichte und Philosophie, Universität Köln
1977 Studienreise nach Australien, Reihe von Einzelausstellungen auf Einladung des Goethe-Instituts in Australien, Arbeitsaufenthalt in West-Java
1993 Symposium „Das Spirituelle in der Gegenwartskunst, dargestellt am Beispiel Otto Nemitz“, Thomas-Morus-Akademie, Bensberg
2012 gestorben in Köln
2015 Aufnahme in die Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt